Ausgabe: 05/2022

Galt in vielen frühen Kulturen Faustrecht oder die Auslegung des Rechts aufgrund von Stammesgewohnheiten und Traditionen, kam es mit den ersten Hochkulturen zur Verschriftlichung des Rechts und dem Beginn der Rechtsgeschichte.

Babylon und die ersten Hochkulturen
Eine der ersten vollständig erhaltenen Quellen der Rechtsprechung ist dabei der Kodex Hammurabi. Verfasst vom babylonischen König um das Jahr 1760 v. Chr. wird hier das Talionsprinzip, zu Deutsch Vergeltungsprinzip („Auge um Auge, Zahn um Zahn“), ausführlich nachgewiesen. Auch in China und Indien gibt es aus dieser frühen Zeit der Hochkulturen bereits Texte, die Rechtsprechung dokumentieren.

Die europäische Antike
Im antiken Griechenland werden mit den ersten Demokratien auch Staatsrechte festgelegt. Eine der ersten Inschriften ist dabei aus dem 7. Jahrhundert v. Chr. aus Dreros überliefert.

Römisches Recht
Mit dem Aufschwung des Römischen Reichs wurde das römische Recht über weite Teile Europas, Nordafrikas und des Nahen Ostens eingeführt. Die Prinzipien der Bürgerrechte, der Verhandlungs- und Beweisführung, Bürgerrechte und Bürgerpflichten bilden den Grundstock für die Rechtsprechung der Neuzeit und sind nach wie vor Teil des Lehrplans auf juridischen Fakultäten auf der ganzen Welt.

Die Kirche und das kanonische Recht
Die Dominanz der katholischen Kirche von der Spätantike bis zur Aufklärung spiegelte sich auch in der Rechtsprechung wider. In vielen Bereichen des Alltags, von der Ehe über Steuern und Abgaben bis hin zu Straftaten, waren vor allem im Mittelalter und der frühen Neuzeit die weltlichen Gesetze stark angelehnt an die kirchlichen. Erst Ende des 18. Jahrhunderts kam es zu einer ersten Modernisierung.

Republiken und aufgeklärter Absolutismus
Die Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten und die Französische Revolution waren Grundlagen für moderne Verfassungen. Auch in den zahlreichen Monarchien der Neuzeit machte sich die Modernisierung in der Gesetzgebung bemerkbar. Einen weiteren Schub gab es im Rahmen der Bürger- und Arbeiterbewegungen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Presse- und Versammlungsfreiheit und viele andere Bürgerrechte, die bis zur Gegenwart reichen, wurden schriftlich festgelegt und Teil der Gesetzgebung.

Gleichberechtigung und das Ende der Todesstrafe
Im 20. Jahrhundert spiegelte sich die Gleichberechtigung von Frauen und das Ende der Diskriminierung von Minderheiten (WWH) in den Gesetzestexten wider. Auch die Abwendung von der Todesstrafe in den meisten westlichen Ländern und Strafreformen, weg von der reinen Verwahrung hin zur Reintegration von Straffälligen in die Gesellschaft, prägten vor allem in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts das Rechtsverständnis. Während es im Großteil der westlichen Welt Variationen des Zivilrechts gibt, berufen sich andere Länder auf religiöse Rechtsprechung, etwa die Scharia.

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