Ausgabe: 12/2020

Bereits jetzt befinden sich viele Tiroler Höhenlagen in winterlichem Weiß. Gerade in Corona-Zeiten steigt die Sehnsucht nach den Bergen, der Natur, nach Reinheit, dem erfrischenden Pistenerlebnis. Doch da, wo sich Tausende auf gesichertem Skiraum tummeln, hat die Freiheit auch ihre Grenzen. Spätestens dort, wo das eigene Verhalten für andere gefährlich werden könnte.

Zehn Gebote
Ähnlich der Straßenverkehrsordnung im Kfz-Verkehr gibt es auch für das Verhalten auf Pisten einen Normenkatalog namens FIS-Regeln. Der ist mit zehn Geboten freilich recht übersichtlich, jedoch trotz einfachster Formulierung Richtlinie bei Haftungs- und Schadensersatzfragen. Auch Zivil- und Strafgerichte bemessen folglich Sorgfaltswidrigkeit und Schuldgehalt an den zehn Pistengeboten. In Österreich existieren ansonsten keine speziellen Rechtsvorschriften für das Skifahren, die FIS-Regeln des Internationalen Skiverbands und der POE (Pistenordnungsentwurf des österreichischen Kuratoriums) bilden jedoch laut ständiger Judikatur der heimischen Gerichtsbarkeit eine Zusammenfassung der Sorgfaltspflichten, die beim Skifahren eingehalten werden müssen.

Wer diese FIS-Regeln in Unkenntnis oder aus Unachtsamkeit nicht befolgt und dadurch einen anderen Wintersportler schädigt, haftet im Regelfall jedenfalls für den eingetretenen Schaden zivilrechtlich. Doch auch strafrechtlich ist praktisch jeder Unfall mit Verletzten relevant.

Unfall am Berg
Viele Fragen können sich bei einem Unfall am Berg stellen. Die Sachverhalte reichen von der Kollision auf der Skipiste bis zum Lawinenabgang im gesicherten oder freien Skiraum. Ganz gleich, was Ihnen passiert: Wichtig ist, dass insbesondere zu Beweiszwecken Unterlagen und Aufzeichnungen vom Unfall sowie Daten von Zeugen – so weit wie möglich – angefertigt werden. Skifahrer, die nach einem Unfall einfach weiterfahren, machen sich zusätzlich strafbar.

Jenseits des Verhaltenskodex für Pistenbenützer haben auch die Pistenbetreiber aufgrund der sie treffenden Verkehrssicherungspflichten dafür Sorge zu tragen, dass die Pisten und Liftanlagen ordnungsgemäß gewartet werden, gesichert sind und atypische Gefahren, mit denen ein Skifahrer nicht rechnen muss, abgesichert werden. Unter atypischen Gefahren versteht man Pistengegebenheiten, die aufgrund des Erscheinungsbilds und Schwierigkeitsgrads der Piste gleichermaßen für verantwortungsvolle Skifahrer unerwartet und schwer abwehrbar sind.

Eisflächen und Lawinen
Vor typischen Gefahren wie beispielsweise Eisflächen muss ein Pistenbetreiber aber nicht warnen. Der Liftbetreiber geht mit dem Verkauf der Karte einen Vertrag ein, aus dem sich dem Kunden gegenüber Verpflichtungen und Haftungsfragen ergeben. Wichtig für den Schwenk an die Hüttenbar am späten Nachmittag: Die Pflicht zur Pistensicherung endet für den Betreiber mit Ende des Pistenbetriebs.

Jeder Freizeitsportler muss sich bei Lawinengefahr bewusst sein, dass der Pistenhalter nicht mehr haftet, wenn er den unpräparierten Pistenbereich entsprechend kennzeichnet und dieser verlassen wird. Sollten Skifahrer, Tourengeher oder Snowboarder im freien Skiraum eine Lawine auslösen, so gilt ein sehr strenger Sorgfaltsmaßstab. Grundsätzlich haftet derjenige, der durch sein Verhalten eine besondere Gefahrenquelle für andere Personen oder deren Eigentum schafft, für den Eintritt eines entsprechenden Schadens.

Dies kann bis zur Versorgung von Angehörigen und Hinterbliebenen gehen. Haftbar kann im Prinzip jeder Snowboarder sein, der in eine Rinne einfährt, oder jeder Tourengeher, der eine Lawine auslöst und andere Personen im Umfeld dadurch verletzt oder gar getötet werden. So schön ein Wintertag und das Skierlebnis auch sein mag: Gegen die Gefahr von Haftungen sollte sich jeder versichern, damit aus dem Traum im alpinen Gelände kein Albtraum wird, durch ein Missgeschick. Passiert dennoch etwas, ist es sinnvoll, einen Anwalt zurate zu ziehen, um Ansprüche geltend zu machen oder eben abzuwenden.

D.A.S. Partneranwalt
Mag. Martin Wolf
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