Ausgabe: 05/2021

Veränderte Traditionen
Bis in die jüngere Vergangenheit hinein war es eher die Norm als die Ausnahme: Der Betrieb wurde von einem der Kinder übernommen. Der Sohn des Bäckers übernahm die Bäckerei, die Tochter das Blumengeschäft. Doch mit der Veränderung der Arbeitswelt und der Bildungslandschaft ist auch bei der Übergabe von Familienbetrieben nichts, wie es einmal war. Egal ob Tischlerei, Fachgeschäft oder Manufaktur: Junge Frauen und Männer, die den Betrieb ihrer Eltern übernehmen, werden seltener.

Denn mit höheren Abschlüssen und Verdienstmöglichkeiten schwindet auch die Bereitschaft der Kinder, in die Fußstapfen der Eltern zu treten. Eine gewisse Rolle dabei spielt sicher die Marktveränderung: Große Handelsketten führen zu einem Schwinden von spezialisierten Kleinunternehmen. Gerade traditionelle Handwerksbetriebe wie Fleischer, Bäcker oder Schneider haben es in diesem Zusammenhang schwer.

Große und kleine Betriebe betroffen
Das betrifft nicht nur kleine Unternehmen, auch traditionsreiche Firmen werden oft vom Familienbetrieb zur Aktiengesellschaft und der Einfluss der Gründerfamilie schwindet. Doch vor allem im Bereich der kleinen und mittelständischen Unternehmen ist die Entwicklung stark wahrnehmbar. Die Zahl der Betriebe, deren Inhaber nach einem externen Nachfolger suchen, steigt stetig. Auf unterschiedlichen Portalen, privaten oder institutionellen (wie der Nachfolgesuche der Wirtschaftskammer) werden potenzielle Nachfolger für Betriebe gesucht.

Fehlender Nachwuchs als Auslöser
Die Nachfolge-Frage stellt sich auch dann, wenn es keine eigenen Kinder gibt. Beispiele für erfolgreiche Übergaben sind viele bekannt. Vom Marmeladeproduzenten bis hin zur Bio-Marke. In diesen Firmen führen verdiente frühere Mitarbeiter den Familienbetrieb mit viel Engagement und entsprechendem wirtschaftlichen Erfolg.

Dass externe Führungskräfte das Ruder in Familienbetrieben leiten, auch wenn es eigentlich „Erben“ gibt, ist eine Variante, die sich ebenfalls immer größerer Beliebtheit erfreut. Denn oft werden die fachspezifischen Erfordernisse einer gewissen Branche von Experten besser erfüllt. Gerade in großen und historisch gewachsenen Familienunternehmen liegt das Management in den Händen von Spezialisten. In dieser Konstellation übernehmen die Mitglieder der Gründerfamilie meist nur noch Aufsichtsfunktionen.

© 2021 D.A.S. Rechtsschutz AG Österreich | Ein Unternehmen der ERGO Group AG | Photos by istock by Getty Images, ingimage.com, 123rf.com