Ausgabe: 10/2020

Unterrichtspflicht für Kinder
Vor knapp 246 Jahren, im Dezember 1774, verabschiedete Maria Theresia die Unterrichtspflicht für Kinder im damaligen Habsburgerreich. Sechs Jahre musste man damals in die Schule gehen. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Zeitraum auf acht Jahre und in den 1960er Jahren auf neun Jahre verlängert. Damit ist Österreich im internationalen Vergleich im unteren Bereich.

Auch das differenzierte Schulsystem, also die Trennung der Kinder in Mittelschule (früher Hauptschule) und Gymnasium nach vier gemeinsamen Schuljahren, ist im internationalen Vergleich sehr selten. Nur in Deutschland und der Schweiz wird die Bildungskarriere der Kinder so früh festgesetzt. Bereits in der Zwischenkriegszeit gab es Versuche, eine Gesamtschule, also eine gemeinsame Schule für 6- bis 14-Jährige, zu etablieren. Bis heute ohne breitflächige Konsequenzen.

Gemeinsame Schule – Chancengleichheit?
Waren es in der Vergangenheit vor allem Stimmen, die sich für die gemeinsame Schule aus Sicht der Chancengleichheit einsetzten, wird die Forderung in den letzten Jahren auch vermehrt von Wirtschaft und Industrie unterstützt. Denn die frühe Trennung, oft basierend auf Einkommen und Bildungsgrad der Eltern, lässt viele Kinder nicht ihr volles Potenzial entfalten. Der Ausbau der ganztägigen Schulformen ist im Gegensatz dazu weitgehend Konsens in der österreichischen Bildungspolitik. Denn die veränderten Realitäten am Arbeitsmarkt und in der Familienkonstellation machen es notwendig, dass vor allem jüngere Kinder ganztägige Betreuungsstrukturen nutzen können.

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