Ausgabe: 10/2021

Die wesentliche Grundlage für unsere Aktivitäten in den Bergen ist die gesetzlich verankerte Wegefreiheit im Wald und im Bergland. Seit den 1920er-Jahren definieren Landesgesetze die Wegefreiheit oberhalb der Waldgrenze und seit 1975 ist im österreichischen Forstgesetz die Wegefreiheit im Wald festgeschrieben: Alle Menschen dürfen den Wald zu Erholungszwecken betreten und sich dort aufhalten. Beschränkungen liegen naturkundliche, forstfachliche, jagdliche oder militärische Überlegungen zugrunde.

Die positive Auswirkung von Bergsport auf die Gesundheit wurde an dieser Stelle schon mehrfach rezensiert. Gerade aber in einer Zeit mit vielen Einschränkungen kommt dem mit sportlicher Aktivität in den Bergen einhergehenden psychischen Ausgleich und der Stärkung des Immunsystems besondere Bedeutung zu.

Mit mehr Erholungssuchenden steigt Druck auf die Natur
Es ist grundsätzlich positiv zu bewerten, dass in den letzten Monaten mehr Menschen den Aufenthalt und die Bewegung im Freien (wieder-)entdeckt haben und dabei den Erholungswert einer unverbauten Landschaft schätzen. Mit steigender Anzahl an erholungsuchenden Menschen steigt aber auch der Druck auf die Natur und in Folge das Konfliktpotenzial zwischen den Nutzergruppen. Bekannte „Nebenwirkungen“ wie überfüllte Parkplätze oder Vermüllung machen auch vor sensiblen Naturzonen keinen Halt und so mancher Busch wurde zum „stillen Örtchen“ erklärt.

Wenn es zu Konflikten kommt, sind alle Lebensraumpartner gefordert, gemeinsam Lösungen im Sinne eines respektvollen Miteinanders zu erarbeiten. Dabei gilt es nicht nur Interessen der Erholungsuchenden, Grundbesitzer, Jäger und Förster zu berücksichtigen, sondern auch die der sensibelsten und störungsanfälligsten Gruppe – der Wildtiere. Als Orientierung kann dazu das erfolgreiche Modell „Bergwelt Tirol – Miteinander erleben“ dienen. Dieses Programm bringt verschiedene Naturnutzer zusammen und versucht einen Interessenausgleich bei allen Bergsportarten zu erreichen. Werden jedoch vorschnell Wegsperren und Betretungsverbote ausgesprochen, wird der Alpenverein auch in Zukunft entschieden auftreten, um ersessene Wegerechte weiterhin für die nächste Generation zu sichern.

Sichere Almen für Weidevieh
Ein positives Beispiel für eine unbürokratische und schnelle Zusammenarbeit betrifft das Weidevieh auf den Almen. Nach mehreren Zwischenfällen mit Mutterkühen wurde von Ministerium, Almwirtschaft, Kammern und Alpenverein in kürzester Zeit das Programm „Sichere Almen – Miteinander auf Österreichs Almen“ ausgearbeitet und zehn Verhaltensregeln für den Umgang mit Weidevieh veröffentlicht. Als nächsten Schritt werden zu Beginn der Wandersaison Almen mit Mutterkuhhaltung in den Alpenvereinskarten und Tourenportalen verzeichnet. Damit stehen wichtige Informationen und Verhaltensregeln schon bei der Tourenplanung zur Verfügung. Gemeinsam mit den Almbauern leisten wir damit einen Beitrag zum sicheren Wandern und freuen uns auf die nächste herzliche Almjause.

Ausgestattet mit dem notwendigen Basiswissen über alpine Naturräume und dem so wichtigen Respekt gegenüber allen Lebensraumpartnern können wir den Erholungswert von Natur und Berglandschaft auch in Zukunft genießen. Unsere Gesundheit wird es uns danken.

Ich wünsche Ihnen viele unvergessliche und unfallfreie Tage draußen.

Gerald Dunkel-Schwarzenberger
Vizepräsident des österreichischen Alpenvereins

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