Ausgabe: 05/2019

Laut der 30. StVO-Novelle gelten seit 1.4.2019 folgende neue Vorrang- und Verhaltensregeln für Radfahrer:

  1. Radfahrer haben nur noch dann Wartepflicht, wenn sie einen Radweg oder einen Geh- und Radweg verlassen, der nicht durch eine Radfahrerüberfahrt fortgesetzt wird.
  2. Bei nicht durchgehender Möglichkeit des Befahrens eines Radfahrstreifens und auch am Ende eines Radfahrstreifens gilt das Reißverschlusssystem, um den Radfahrern ein gleichberechtigtes Einordnen in den übrigen Verkehr zu ermöglichen. Müssen Radfahrer vom Radfahrstreifen auf den danebenliegenden Fahrstreifen wechseln (z. B. um sich zum Linkseinbiegen einzuordnen), gelten die Regelungen für den Fahrstreifenwechsel anstelle der bisherigen Wartepflicht nach der Fließverkehrsregel.
  3. Geradeaus weiterfahrende Fahrzeuge haben Vorrang gegenüber Fahrzeugen, die aus dem Parallelverkehr nach rechts abbiegen, z. B. Radfahrer auf einem Radfahrstreifen gegenüber den vom danebenliegenden Fahrstreifen nach rechts einbiegenden Kraftfahrzeugen.
  4. Die Bodenmarkierung „Ende“ am Ende eines Radfahrstreifens entfällt. Bestehende Bodenmarkierungen müssen bis 31. Dezember 2024 entfernt werden. Achtung: Das Reißverschlusssystem gilt aber unabhängig davon, ob das Wort „Ende“ angebracht ist oder nicht.
  5. Das Befahren von Schutzwegen mit Fahrzeugen im Sinne der Gehrichtung der Fußgänger ist verboten. Ausnahme: Wenn der Fußgängerübergang gleichzeitig auch eine Radfahrerüberfahrt ist. Dafür ist eine neue Art der Markierung vorgesehen, bei der die Radfahrerüberfahrt und der Fußgängerübergang „übereinandergelegt“ werden.
  6. Transportfahrräder mit einer Breite bis zu 100 cm dürfen den Radweg benützen.
  7. Änderungen der Modalitäten bei der Radfahrprüfung: Auch 9-jährige Mädchen und Buben dürfen sofort nach bestandener Radfahrprüfung auch ohne erwachsene Begleitperson Rad fahren. Das war bisher erst ab dem 10. Lebensjahr erlaubt.
  8. Miniscooter oder auch Tretroller, die häufig von Kindern genutzt werden, gelten als sogenanntes „fahrzeugähnliches Kinderspielzeug“ (Geschwindigkeit max. 5 km/h). Künftig dürfen diese bereits ab dem 8. Lebensjahr ohne Begleitperson verwendet werden. Bislang war dies erst ab 10 Jahren (mit Radfahrausweis) beziehungsweise 12 Jahren erlaubt. Mit kleinen Scootern darf in Schrittgeschwindigkeit auf dem Gehsteig gefahren werden, sofern keine Fußgänger gefährdet werden. Achtung: Für elektrische Scooter gilt diese Regelung nicht!
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