Ausgabe: 10/2021

Gerade in Zeiten der Covid-19-Pandemie wurden Wälder und Wiesen zur Erholung in der Freizeit immer populärer. Wälder und Wiesen dürfen grundsätzlich jederzeit betreten werden, allerdings gibt es Ausnahmen. Auch das Pflücken von Blumen oder Pilzen erfreut sich großer Beliebtheit. Dabei gilt es einige Punkte zu beachten. Im Falle von Übertretungen können auch Strafen oder Klagen drohen.


Allgemeines Betretungsrecht des Waldes
Jeder Mensch darf die Natur ohne besondere Erlaubnis zu Erholungszwecken betreten und sich darin aufhalten. Dieses allgemeine Betretungsrecht gilt für öffentliche Wege, Straßen und Parks, Wälder sowie Forststraßen. Davon ausgenommen sind private Wege und Gärten, Jungwälder bis zu einer Höhe von drei Metern und Forstgärten.

D.A.S. Tipp: Achten Sie bei Spaziergängen immer auf Tafeln mit der Aufschrift „Betreten verboten“.


Erlaubte Aktivitäten
Im Wald und auf öffentlichen Wiesen, beispielsweise gekennzeichneten Wanderwegen, darf spaziert, geklettert, langgelaufen und skigefahren werden. Auch das Fotografieren für private Zwecke ist in der freien Natur grundsätzlich erlaubt. Andere Aktivitäten, wie beispielsweise Campieren, das Befahren mit Fahrzeugen oder Reiten, sind verboten, außer der Waldeigentümer hat seine Zustimmung dafür ausdrücklich erteilt. Wiesen, als landwirtschaftlich genutzte Grundstücke sowie Äcker dürfen grundsätzlich nicht betreten werden. Vor allem bei Aktivitäten in geschützten Gebieten, wie zum Beispiel einem Naturschutzgebiet, ist besondere Vorsicht geboten. Hierbei gelten oft Sonderregelungen.

D.A.S. Tipp: Informieren Sie sich vor dem Besuch eines Naturschutzgebietes über die dort vorherrschenden Verhaltensregeln.

Die moderne Schatzsuche
Geocaching ist ein neuer Trend, bei dem im Wald mithilfe von GPS kleine versteckte Schätze gesucht werden. Die jeweiligen Koordinaten dazu werden im Internet bekannt gegeben. Geocaching fällt nicht unter das allgemeine Betretungsrecht des Waldes. Für dessen Ausübung ist zuvor die Genehmigung durch den Grundeigentümer einzuholen. Kommt es durch die Platzierung der sogenannten Caches, also den kleinen Boxen mit den Schätzen darin, zu Schäden an Bäumen oder Pflanzen, kann dies zu Unterlassungs- und auch Schadenersatzansprüchen führen.

Sammeln von Blumen, Pilzen und Beeren
Blumen dürfen für den persönlichen Bedarf gepflückt werden. Die Menge des Eigenbedarfs hängt von den jeweils geltenden Landesgesetzen ab. In Niederösterreich gilt beispielsweise die sogenannte „Handstrauß-Regel“.

Diese besagt, dass das Pflücken für den persönlichen Bedarf erlaubt ist, wenn die Stängel des Straußes noch mit Daumen und Zeigefinger umfasst werden können. Achten Sie auch darauf, dass es sich bei den Blumen um keine speziell geschützten Arten handelt, denn diese zu pflücken wäre verboten.

D.A.S. Tipp: Machen Sie sich vor dem Sammeln mit den Artenschutzverordnungen vertraut.


Auch für das Sammeln von Pilzen und Beeren im Wald gibt es Vorschriften. Hier gilt ebenfalls, dass das Sammeln für den Eigenbedarf erlaubt ist, wenn dies vom Waldeigentümer nicht ausdrücklich untersagt oder beschränkt wurde. Achten Sie dabei auf eine etwaige Beschilderung! Es darf allerdings maximal eine Menge von zwei Kilogramm pro Tag an Pilzen mitgenommen werden.


Übertretungen können teuer werden
Die Folgen der Missachtung von Verboten können unterschiedlich ausfallen. Wenn zum Beispiel gegen ein Betretungsverbot verstoßen wird, dann stellt dies aus rechtlicher Sicht eine Besitzstörung dar. Dagegen kann der Grundstückseigentümer vor Gericht klagen.

Es kann aber auch zu Verwaltungsstrafen in der Höhe von 150 bis 7.270 Euro kommen, wenn gegen Vorschriften des Forstgesetzes verstoßen wird. So kann beispielsweise das Wegwerfen von Abfall zu einer Strafe bis zu 150 Euro führen. Bei unbefugtem Befahren einer erkennbar gesperrten Forststraße kann eine Geldstrafe bis zu 730 Euro oder eine Freiheitsstrafe bis zu einer Woche verhängt werden. Außerdem ist die unbefugte Mitnahme von Pilzen in einer Menge von mehr als zwei Kilogramm pro Tag, das Durchführen von Pilz- und Beerensammelveranstaltungen sowie die Teilnahme daran und das unbefugte Sammeln von Früchten oder Samen bestimmter Holzgewächse zu Erwerbszwecken mit einer Verwaltungsstrafe verbunden.


Gut zu wissen: Zur Kontrolle der Einhaltung der Schutzbestimmungen des Waldes gibt es eigene Forstschutzorgane.

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