Ausgabe: 05/2021

Anfänge im klassischen Altertum
Bereits im antiken Griechenland gab es die Möglichkeit, die Ehe beim zuständigen Beamten wieder auflösen zu lassen. Allerdings musste dafür eine Begründung vorgebracht werden. Auch im Römischen Reich mit seinem umfangreichen Bürgerlichen Recht war die Scheidung nicht unüblich. Erst die christlichen Kaiser Konstantin und Theodosius führten strengere Regeln ein und beschränkten die Möglichkeiten der Eheauflösung.

Mit dem Mittelalter übernahm die Kirche eine prominentere Rolle im Leben der Menschen. Die Ehe als heiliges Sakrament hatte einen besonders hohen Stellenwert und Scheidungen verschwanden praktisch aus der Gesellschaft. Etwas liberaler wurde das in Ländern mit orthodoxen Religionen gehandhabt.

Liberalisierungen in der Neuzeit
Erst mit der Reformation im 16. Jahrhundert wurden Scheidungen wieder mehr akzeptiert. Ein besonders berühmtes Beispiel ist der englische König Heinrich VIII., der wegen einer Scheidung den Bruch mit dem Papst in Rom wagte und die anglikanische Kirche gründete.

Mit der Aufklärung und dem Erstarken des Bürgertums am Ende der Neuzeit wurden auch Ehescheidungen häufiger, obwohl die Gesetzeslage die Frauen oft benachteiligte.

Die Demokratisierung und Säkularisierung der Gesellschaft sowie die fortschreitende Gleichberechtigung der Geschlechter im 20. Jahrhundert führte zur Normalisierung der Scheidung. Gesetze wurden reformiert und orientierten sich stärker an der Lebensrealität der Menschen.

Die Scheidung als Teil des gesellschaftlichen Lebens
Mittlerweile wird die Scheidung in der Gesellschaft akzeptiert. Das zeigt sich auch anhand der Scheidungsrate. In Österreich liegt sie bei rund 40 Prozent, in den USA sogar bei etwa 50 Prozent. Das heißt, dass dort die Hälfte aller Ehen geschieden wird. Patchworkfamilien, eine zweite, dritte oder vierte Ehe sind heute also völlig normal.

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