Ausgabe: 12/2021

Die Weihnachtsferien stehen vor der Tür und auf den Bergen liegt Schnee. Das lockt viele Menschen auf die Piste. Ob Skifahren, Snowboarden, Rodeln oder Tourenskigehen: Bei jeder von diesen Wintersportarten kann es leicht zu Unfällen kommen. Ein Crash mit einem anderen Wintersportler hat oft gravierende Folgen und kann im schlimmsten Fall zu einem Gerichtsverfahren führen. Auch Arztkosten, Rehabilitationsmaßnahmen und Schmerzensgeld können bei schweren Verletzungen anfallen.

Doch wer haftet bei Wintersportunfällen? Und von wem kann das Unfallopfer Schadensersatz oder Schmerzensgeld verlangen? Welche Schmerzensgeldsummen wurden bisher durch die österreichischen Gerichte zugesprochen? Über all diese Fragen und weitere Aspekte zum Thema Schadensersatz und Schmerzensgeld bei Sportunfällen auf der Piste klären die D.A.S. Juristinnen und Juristen auf.

Schadensersatz und Schmerzensgeld als Folgen eines Wintersportunfalls
Ein Snowboardfahrer kracht mitten auf der Piste mit voller Wucht in Sie hinein. Ihr Bein ist gebrochen und die Skier sind zerstört. Sie verlangen Schmerzensgeld und wollen den Schaden an Ihren Skiern ersetzt bekommen.

In der Regel muss jeder selbst für entstandene Schäden aufkommen, denn das gehört zum allgemeinen Lebensrisiko. Wurde Ihnen allerdings ein Schaden am Vermögen, an Ihren Rechten oder an Ihrer Person durch andere Personen zugefügt, haben Sie Anspruch auf Schadensersatz. Solche Ansprüche können vor den Zivilgerichten durchgesetzt werden. Das Ziel von Schadensersatz ist es, den Zustand vor der Beschädigung wiederherzustellen.

Die Höhe des Schadensersatzes, den Sie verlangen können, richtet sich nach der jeweiligen Art des Schadens. Die kaputten Skier sind ein sogenannter Sachschaden. Die Höhe des Schadens ergibt sich hierbei durch die Reparaturkosten. Aufgrund der Beinverletzung können sich auch Schadensersatzansprüche in Form von Arztkosten, Verdienstentgang, Kosten für Heilbehelfe oder Rehabilitationsmaßnahmen, einer Verunstaltungsentschädigung oder Schmerzensgeld (als ideeller Schadensersatz für seelisches Leid) ergeben. Die Höhe des Schmerzensgelds wird in der gerichtlichen Praxis mithilfe von Schmerzensgeldtabellen nach Tagessätzen (Stand Februar 2020: bei leichten Schmerzen 110 Euro, bei mittleren Schmerzen 220 Euro, bei starken Schmerzen 330 Euro) bestimmt.

D.A.S. Tipp: Schließen Sie eine Haftpflichtversicherung mit einer entsprechend hohen Versicherungssumme ab, um sich gegen das Risiko hoher Schadensersatzansprüche im Skiurlaub abzusichern.

Haftung bei Sportunfällen auf der Piste
Der direkte Schädiger haftet für Schadensersatzansprüche, wenn der Schaden durch eine rechtswidrige und schuldhafte Handlung entstanden ist. Rechtswidrigkeit kann im Wintersport angenommen werden, wenn zum Beispiel gegen die allgemein anerkannten FIS-Regeln verstoßen wurde. Jemand hat schuldhaft gehandelt, wenn die notwendige Sorgfalt beim Skifahren nicht eingehalten wurde.
Die meisten Sportunfälle auf der Piste ergeben sich entweder aufgrund einer Kollision mit einem anderen Wintersportler oder durch eine mangelhafte Skipiste oder Liftanlage. Der direkte Schädiger ist im Falle eines Zusammenstoßes auf der Piste der gegnerische Sportler. Wurde die Piste mangelhaft präpariert oder tritt bei einer Seilbahn ein technischer Defekt auf, so haftet der Skigebiet- oder Liftbetreiber für etwaige Schäden. Ist der Unfallverursacher ein Kind unter 14 Jahren, dann haften Eltern nur, wenn diese ihre Aufsichtspflicht nachweislich verletzt haben.

ACHTUNG: Sollte es zu einem Unfall auf der Piste kommen, helfen Sie dem Opfer und tauschen Sie die Kontaktdaten für das weitere Vorgehen aus. Tun Sie das nicht, machen Sie sich strafbar aufgrund von unterlassener Hilfeleistung.

Legalzession: Regress der Sozialversicherung
Kommt es zu einem Unfall, sieht das sozialstaatliche System in Österreich vor, dass die Krankenversicherung die Kosten der Heilbehandlung übernimmt. Sollte es zu dauerhaften Beeinträchtigungen (vor allem im Zusammenhang mit der Erwerbstätigkeit) kommen, dann leisten auch die Unfall- und Pensionsversicherung. Ist die Körperverletzung allerdings durch das Verschulden fremder Personen entstanden, sieht die österreichische Rechtsordnung die sogenannte Legalzession vor. Das bedeutet, dass der Sozialversicherungsträger dazu berechtigt ist, die Schadensersatzansprüche vom Geschädigten gegenüber seinem Unfallgegner für sich zu beanspruchen. Dieser Prozess erfolgt automatisch, es ist daher kein Handeln der betroffenen Person notwendig. Dezidiert ausgenommen von dieser Regelung sind Ansprüche auf Schmerzensgeld.

Höchste zugesprochene Summen Schmerzensgeld
Die gerichtliche Rechtsprechung zur Gewährung von Schmerzensgeld ist umfangreich und immer einzelfallbezogen. Das bisher höchste Schmerzensgeld, das von einem österreichischen Gericht zugesprochen wurde, beträgt 320.000 Euro. Dieses wurde durch das Oberlandesgericht Wien an einen Mann mit Querschnittslähmung und weiteren dauerhaften Einschränkungen ausgesprochen. Diese Entscheidung wurde 2021 vom Obersten Gerichtshof bestätigt. Im Wintersport, bei einem Skiunfall, bei dem ein Kind gegen einen Anschlusskasten einer Beschneiungsanlage im Jahre 2018 prallte, konnten vom beklagten Pistenbetreiber Schmerzensgeldansprüche in der Höhe von 2.000 Euro geltend gemacht werden, da dieser seine Sicherungspflichten verletzte.

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