Ausgabe: 10/2020

Für Unternehmer und Dienstnehmer

Homeoffice steuerlich absetzbar?
Sehr viele Personen arbeiteten wegen der Corona-Krise von zu Hause aus und für viele hat sich das gut eingespielt und bewährt. Was kann nun steuerlich berücksichtigt werden?

Kosten für ein Arbeitszimmer in einer Privatwohnung sind grundsätzlich nicht abzugsfähig. Ein solches Arbeitszimmer wäre nur dann absetzbar, wenn es den Mittelpunkt der gesamten beruflichen bzw. betrieblichen Tätigkeit darstellt. Außerdem müsste dieses Arbeitszimmer ausschließlich beruflich oder betrieblich genutzt werden. Das ist ziemlich unwahrscheinlich bei einem Corona-bedingten Homeoffice. Die Regierung überlegt hierfür zwar einen Steuerabsetzbetrag, aber das wie, ab wann und wieviel oder ob überhaupt ist noch völlig offen.

Ausschließlich beruflich genutzte Gegenstände wie zum Beispiel PC, Drucker, Schredder, Schreibtisch usw., die Sie privat angeschafft haben (nicht also, wenn von der Firma zur Verfügung gestellt!), können Sie im Jahr der Anschaffung geltend machen, wenn die Kosten 800 Euro brutto nicht übersteigen. Wenn die Kosten (zum Beispiel für den PC) über 800 Euro betragen, so müssen die Anschaffungskosten auf die Nutzungsdauer (z.B. bei einem PC üblicherweise drei Jahre) verteilt werden. Die Finanz nimmt grundsätzlich an, dass der PC teilweise privat genutzt wird und geht von einem Privatanteil von 40 Prozent aus (Lohnsteuerrichtlinien), der von den Ausgaben entsprechend abzuziehen ist.

Bei Telefon- und Internetkosten wird ebenfalls von einem Privatanteil in der Höhe von 40 Prozent  auszugehen sein. Sollten Sie einen niedrigeren Privatanteil ansetzen wollen oder ein schnelleres Internet extra für Ihr Homeoffice installiert haben, so können diese Kosten geltend gemacht werden. Allerdings sollten Sie auf eine diesbezügliche, sehr sorgfältige Dokumentation achten. Druckerpatronen, Papier, Kugelschreiben usw., die von Ihnen beruflich oder betrieblich genutzt werden, können Sie mit 100 Prozent  steuerlich geltend machen.

Steht Ihnen grundsätzlich das Pendlerpauschale zu, dann steht es auch für die Zeit der Corona-Krise zu, obwohl Sie zu Hause waren. Sollten Sie nach der Krise ganz oder teilweise von zu Hause aus arbeiten, dann gelten wieder die Regelungen wie vor der Krise: Das Pauschale steht dann nicht mehr oder nur noch teilweise zu.

Für (Homeoffice-)Kosten, die Sie vom Arbeitgeber ersetzt bekommen, gibt es natürlich keine steuerliche Absetzmöglichkeit.

Kosten für Aus- und Fortbildung
Aus- und Fortbildung wird generell immer wichtiger. Ganz besonders in und nach der Krise wird offenbar klar, wie wichtig höhere Qualifikationen sind, um eine Beschäftigung zu behalten bzw. eine (wieder) zu bekommen. Die Kosten dafür sind steuerlich absetzbar. Zum Beispiel  Ausgaben für Kurse, für Fachliteratur und Lernmaterial, aber auch die Fahrtkosten zum Aus- bzw. Fortbildungsort.

Fahrtkosten mit dem eigenen PKW weist man am besten mit einem genau geführten Fahrtenbuch nach. Wenn der Schulungsort mehr als 25 Kilometer von Ihrem üblichen Beschäftigungsort beziehungsweise Ihrem Wohnort entfernt ist, kann auch ein sogenannter „Verpflegungsmehraufwand“ in Form von Diäten geltend gemacht werden. Wie das genau funktioniert, ist auf der Homepage des Finanzamtes unter „Reisekosten“ nachzulesen. Gegebenenfalls können auch Übernachtungskosten geltend gemacht werden. Auch hier gilt: Kosten, die man ersetzt bekommt (zum Beispiel vom Arbeitgeber, AMS, WAFF usw.), können steuerlich nicht geltend gemacht werden.

Dr. Günther Kriechbaum
Steuerberater
www.steuerplusrecht.at

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